Umzug von Würmla nach Wien

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde das neue alte Selbstbewusstsein der akademischen Rechtsextremen 1959 bei einem Umzug Wien anlässlich der „Schiller-Feiern“ vor Augen geführt. Dabei kam es zu Übergriffen auf antifaschistische DemonstrantInnen. Überhaupt war die Renaissance der Burschenschaften begleitet von Gewalt: So kam es 1961 in Innsbruck zu Übergriffen auf US-amerikanische Studenten, die dabei als „Juden“ beschimpft wurden. 1965 stürmten rechtsextreme Schläger unter „Hoch Auschwitz!“-Rufen eine Demonstration gegen einen antisemitischen Professor. Dabei erschlug ein Olympe den ehemaligen KZ-Häftling Ernst Kirchweger.

Dass diese Gewalttätigkeit zum Kern burschenschaftlichen Selbstverständnisses gehört, zeigt ein Reim in der Aula: „Man muß nun mit den linken Knechten/mit ihren eignen Waffen fechten;/es hemmt nur ihren Tatendrang/der gute alte Holzkommang./Dann spricht sich ‘rum geschwind,/daß Burschenschafter Burschen sind!/Die Mensuren sind deswegen/in die Uni zu verlegen/dort kämpfe man um den Bestand/von Ehre, Freiheit, Vaterland!/Wer kräftig Hieb um Hieb austeilt,/schon durch das Beispiel Füchse keilt.“

Zu Beginn der 60er Jahre stiegen Burschenschafter in den Südtirolterror ein und ließen diesen eskalieren. Richtete sich dieser ursprünglich gegen Sachen, so nahmen die „Volkstumskämpfer“ rund um Norbert Burger (aB! Olympia) den Tod auch von ZivilistInnen bewusst in Kauf. Diese mörderische Terrorkampagne wird nach wie vor als „Einsatz für das bedrohte Grenzlanddeutschtum“ verharmlost. Und FPÖ-Nationalrat Graf meint noch heute über den 1992 verstorbenen Neonazi: „Ich habe Norbert Burger immer geschätzt und tue das auch über den Tod hinaus.“ Dieser Verbundenheit unter dem Dach einer Burschenschaft kann offenbar auch nicht die Tatsache Abbruch tun, dass Burger in Italien wegen mehrfachen Mordes in Abwesenheit zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden war. Als eine der spärlichen Reaktionen wurde die Olympia, die das organisatorische Zentrum des Neonazi-Terrors darstellte, 1961 behördlich aufgelöst. Bis zur Wiederzulassung 1974 fanden die Olympen Unterschlupf bei der vorübergehend reaktivierten Vandalia.

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